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           Johann Heinrich Christian Weiß   (1761 - 1822)

Hinter dem Tor zum Kleinbockenheimer Friedhof zeugte noch bis vor einigen Jahren ein Grabstein in Gestalt eines großen Sandsteinquaders von der letzten Ruhestätte eines Mannes, der sich um Bockenheim verdient gemacht hat: J.H.C. Weiß, der in jungen Jahren (1789) als reformierter Pfarrer nach Großbockenheim kam.
Hier erlebte er den Einzug der französischen Revolutionstruppen. 1799 versah er neben dem Pfarrdienst noch das Amt eines Notars. Im Jahre 1806 schied er aus dem Kirchendienst aus. Kaiser Napoleon I. hatte die ehemaligen leiningischen Besitztümer in Bockenheim versteigern lassen, die er erwarb und auf den Ruinen der alten Emichsburg einen großen landwirtschaftlichen Betrieb aufbaute. Der ehemalige Marstall wurde das heute, imposante, weit über die Dächer hinausragende Herrenhaus. Weiß wurde nicht nur Großbauer sondern auch Landrat. Das ist wohl sein Verdienst um Bockenheim, dass er nicht nur den großen Besitz als Ganzes erhielt und vor der Zerstückelung bewahrte, sondern aus ihm, einen Musterbetrieb aufbaute, der zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde wurde. Seine Beziehungen zu hohen Ämtern verhalfen ihm gewiss zu seinen Besitztümern und Titeln, was in der heutigen Zeit in ähnlicher Form auch in kleineren Gemeinden wie eine Seuche verbreitet sein soll. Oft, so die mehrheitliche Anklage, waren Ratsmitglieder so lange in Amt und Würden, bis eigener ertragsarmer Grund in Baugelände umgewandelt wurde, was natürlich nicht heißt, dass es keine rechtschaffene Kommunalpolitiker mehr gibt.
Das Jahr 1818 brachte in Bockenheim, wie in der ganzen Pfalz einen wertvollen Kulturfortschritt, die konfessionelle Einigung der Lutheraner und Reformierten zur einheitlichen evangelischen-protestantischen Kirche. Weiß, der in den Revolutionsjahren einer Freimaurerloge angehörte, fand den Weg zu seiner ursprünglichen Lebensaufgabe zurück. Er war als Landrat einer von reformierten Seite, die im Februar 1818 die Vereinigungsurkunde unterschrieben.
Nach seinem Tod 1822 verkaufte seine Witwe die Besitztümer an die Familie Janson. Diese wandelte den ehemaligen Gutshof der Schaffnerei in edle Weinbergslagen um, welche die heute allgemein bekannten, hervorragenden Weine liefern.

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