HISTORIE

BÜRGER

VEREINE

MUNDART

ZEITZEUGEN

FOTOALBUM

GESCHICHTEN

STARTSEITE

FAVORITEN


           St. Peter (Heiligenkirche)











Die Anfänge der Kapelle liegen im Dunkeln. Dessen ungeachtet darf aber ein hohes Alter des Gotteshauses angenommen werden, wofür vor allem das Petruspatrozinium spricht. Bei mittelalterlichen Kirchen gilt solches oft als Hinweis auf ein vormals heidnisches (Donar-Jupiter) Heiligtum an gleicher Stelle insbesondere dann, wenn die Kirchen an oder über Quellen errichtet wurden. Die erste Kirche auf dem Petersberg war wahrscheinlich eine Holzkirche, zumal der Steinbau sich erst seit dem 11.Jahrhundert auf dem Land allgemein durchsetzte.
Mag sein, dass Angelika Tröscher, die sich um die Geschichte Bockenheims in engagierter Weise verdient gemacht hat, Recht hat, wenn sie resümiert, dass die Heiligenkirche (im Volksmund Helljeskerch) das erste und älteste Gotteshaus in der näheren Umgebung ist. Sie ordnet das damalige Gotteshaus dem 9. oder 10.Jahrhundert zu. Das bei Planierungsarbeiten gefundene Teilstück eines Sandsteinfrieses aus frühromanischer Zeit, mag zu solch einer Annahme beitragen.
Oft wird der "Heilige Philipp von Zell" als Erbauer gesehen aber Beziehungen zwischen ihm und der Kirche sind nicht nachweisbar.
Das Jahr 1287 bringt mit dem Flurnamen "Am Heiligenborn" einen Hinweis auf eine dort befindliche Quelle. Im Pfarrgedenkbuch vermerkt Pfarrer Kohlmayer im Jahr 1857: "Zu dieser Kirche führte ein Pfad von Mainz bis Landau, welcher sich noch heute im Munde des Volkes als Helgeborner Pfad findet, in Wirklichkeit, jedoch längst nicht mehr existiert".
Jakob Böshenz schreibt: "Eine Familie, die wohl an diesem Pfade wohnte, trägt den Namen Heiligenborner." Im Weistum von Großbockenheim vom 24.06.1483 heißt es: "die morgen die da liegen obwendig deß heiligen borns Pfad". Eintragungen im Kopialbuch des Andreasstiftes in Darmstadt ergänzen das Bild. Dort ist in einer Urkunde vom 27.12.1485 "Mühlheim am Stiegelpfade" zu lesen. In einem weiteren Vermerk des Jahres 1486 heißt es "an der Stiegel am mittelhauser dail". Auch der Name der heutigen Stiegelgasse, die von Großbockenheim zur Kapelle führt, geht sicher auf diese Zeit zurück. Dies mag auch die Großbockenheimer Pfarrer dazu bewogen haben, das Patrozinium der Kapelle mit dem Zusatz "ad gradus", das heißt "an den Stiegeln" zu erweitern.
Einen weiteren Hinweis auf das Vorhandensein eines Gotteshauses könnte das Weistum von Großbockenheim geben, wo um das Jahr 1340 von einem "Bergpfennig" die Rede ist. Möglicherweise handelt es sich hier um den im Mittelalter erhobenen Peterspfennig, den die Katholiken jährlich an den Papst abzuführen hatten.
Ganz sicher aber stand hier eine Kapelle im Jahr 1475, als ein Kaplan Heinrich Kuntz "uff dem Petersberg" im benachbarten Kindenheim einen zur Kapelle gehörenden Hof verpachtete.
Nun aber bringt das Jahr 1496 Bewegung in die Geschichte.
Der damalige Bischof Johann III.(1482-1503) hielt im Jahre 1496 eine Synode. Daran anschließend fand eine Visitation der Diözese statt, die einen Überblick schaffte und Feststellungen traf über den Bauzustand der Gotteshäuser und ihrer Einrichtungen, über Verhalten der Gemeinden und der Geistlichen usw. Der Bericht des visitierenden Pastor Jakob Stoll aus Alsheim bei Worms ist in der sogenannten "Wormser Synodale" von 1496 festgehalten. In der Niederschrift der kirchlichen Verhältnisse von Großbockenheim unter "Maior Bockenheim" (S.58) wird auch St. Peter wie folgt beschrieben: "Ebenda (gemeint ist Großbockenheim) außerhalb des Ortes befindet sich auf dem Berge die Kapelle des hl.Petrus. Sie hat drei Altäre. Der Hauptaltar ist zu Ehren des hl.Petrus geweiht, er ist als Benefizium bestätigt mit einem Haus, das aber in der Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen eingeäschert worden ist und nunmehr durch die Kommende verwaltet wird. Ebenda auf der rechten Seite der Altar der allerseligsten Jungfrau Maria, als bestätigtes Benefizium hatte es ein Haus, das aber verbrannt ist. Ebenda auf der linken Seite der Altar der hl. Katharina, der aber nur geweiht ist."
Den Meßwein für die Altäre von St. Peter hatte die Kirchengemeinde zu stellen. Dies geht aus einer anderen Stelle des Visitationsberichtes hervor: "...fabrica (conservat) vinum missarium ad alia altaria, etiam in monte..."
Bei den vorgenannten Benefizien (kirchenrechtlich: Pfründe) handelt es sich jeweils um ein mit der Ausübung des Altardienstes verbundenen Einkommen. Dies konnte bestehen in Wohnrechten, Pachtrechten, Naturalien etc. Das Recht zur Verleihung der Benefizien stand zu diesem Zeitpunkt dem Abt von Otterberg zu. Als das Pfründe- bzw. Benefizianerhaus des St. Peteraltars abgebrannt war, übernahm die Kommende als Güterverwaltung die mit dem Altardienst verbundene Verpflichtung. Als Kommende wird die kleinste selbständige Verwaltungseinheit eines Ordens bezeichnet, vermutlich ist hier die Otterberger Klosterschaffnerei gemeint. Die im Visitationsbericht wiederholt gebrauchte Formulierung "tempore litium cremata (combusta)", (in Kriegszeiten verbrannt bzw. zerstört) macht deutlich wie Bockenheim im 15. Jahrhundert gelitten haben muß. Da ist es auch zu verstehen, dass von einer Wallfahrt nicht die Rede sein konnte, wurden doch im Jahre 1471 (Veldenzer Fede) die beiden Bockenheim völlig dem Erdboden gleich gemacht und die Kapelle abgebrannt. Kritisch wird die Umgebung der Kapelle betrachtet, wo außer den zerstörten Benefiziantenhäusern auch noch die Kapellenfelder zu einem großen Teil unbebaut und brach lagen. Des weiteren beklagt sich die Gemeinde über Kapläne, die ihre Pflichten vernachlässigen und trotzdem im vollen Umfang ihre Einkünfte erhalten. Keiner weiß, wer für die Erhaltung der Kapellenhäuser zuständig ist.
Der Synodalbericht ist sehr genau. Wäre St. Peter irgendwann zuvor Ziel von Wallfahrten gewesen, wäre ein Vermerk vorhanden. So wird z.B. die völlig unbekannte Wallfahrt zum hl.Oswald in Boßweiler erwähnt und das zum damaligen Zeitpunkt schon lange nicht mehr bestehende, winzige Kloster in Heidesheim. St.Peter wird stets ausdrücklich als Kapelle und niemals als Kirche bezeichnet, was die Größe des Bauwerkes schon erheblich einschränkt. Oft wurde in der Vergangenheit das Gotteshaus als eine "zweitürmige Stiftskirche" mit 12 angestellten Geistlichen bezeichnet. Dies setzt fest angestellte Glöckner oder Kirchendiener voraus. Derartige Gehaltsabrechnungen fehlen aber. Dafür existiert eine Aufstellung aller Einkünfte der Peterskapelle von 1586: 21 Gulden, 13 Albus und 5 Pfennige an Geld, ferner einhalb Malter Korn, 1 Fuder u. fünfeinhalb Ohm Wein (1 Fuder = 6 Ohm)und 40 Pfd. Ölfrüchte. Unter Zugrundelegung der Agrarpreise damals und der entsprechenden Umrechnung in DM ergibt sich eine Summe von etwa 2350.-DM. Von diesem Jahresgehalt können keine 12 Chorherren leben! Damit wären sowohl die Wallfahrt als auch die doppeltürmige Kirche in das Gebiet der Wunschträume verwiesen.
Wir bereits vermerkt wurde die Kapelle in der Veldenzer Fede 1471 abgefackelt. Sie blieb Ruine von diesem Zeitpunkt an bis auf den heutigen Tag. Die zuerst lutherische, dann reformierte Kurpfalz, ab 1559 Besitznachfolgerin von Otterberg, sah keine Veranlassung zu einem Wiederaufbau. Somit ist auch die Vermutung, die Franzosen hätten 1698 die Kirche zerstört, gegenstandslos.
Im Jahre 1700 wurde der katholische Gottesdienst in Großbockenheim wieder erlaubt und St.Lambert zum Simultaneum erklärt. Die neugegründete kleine Gemeinde; aus auswärtigen Dienstboten und armen, meist nach dem 30-jährigen Krieg in unsere Gegend eingewanderten Handwerkerfamilien bestehend, unternahm schon vor 1740 den Versuch eines Wiederaufbaus. Als Förderer und Bauherr vermutet man den 1737 zum kath. Glauben übergetretenen Grafen Karl-Ludwig v. Leiningen-Emichsburg. Dieser starb jedoch ohne männliche Erben 1747 und auf der Emichsburg zogen wieder lutherische Landesherren ein. Damit versiegte die notwendige Geldquelle und der bereits bis zur Dachhöhe hochgezogene Neubau blieb unvollendet.
Gegen Ende des 18.Jahrhunderts scheint die kath. Gemeinde jedes bauliche Interesse an der Kapelle verloren zu haben. Sie wird als "mit Abfällen, Kot und Unrat angefüllt" bezeichnet. Da die Besitzverhältnisse an Grundstück und Ruine offensichtlich nie ganz geklärt worden waren, (eine Übertragung seitens der Kurpfalz an die kath. Gemeinde konnte bis heute nicht gefunden werden) machte der politische Nachfolger der Kurpfalz, das Königreich Bayern, von seinem Recht Gebrauch und ließ das Gemäuer 1825 auf Abriss versteigern. Der damals protestantische Bürgermeister Schlichting machte den katholischen Geistlichen auf den Wert der Kapelle aufmerksam u. konnte für die kleine katholische Gemeinde die sogenannte "Krypta", einen tonnengewölbten Raum über der Quellfassung mit nach Osten geöffneten Torbogen, retten. Das Abbruchmaterial hatte der katholische Maurer Johann Machwirth, der auch den Abbruch vornahm, ersteigert.
Anschließend fanden größere Grundstücksvermessungen statt. 1859 wurde der Baubestand durch entsprechende Maurerarbeiten gesichert und 1936 erhielt das Tonnegewölbe seinen jetzigen kapellenartigen Aufbau.
Mit dem Neubau auf dem Petersberg wurde auch eine Patroziniumserweiterung vorgenommen. Der hl.Petrus, dem man noch Paulus hinzugab, trat in den Hintergrund. Dafür kam Maria hinzu (beate maria virgins), der Höhenlage wegen mit dem Zusatz "ad gradus" versehen. Maria war auch das eigentliche Ziel der Wallfahrer, das Wasser des Petersbrunnen dagegen nur noch eine willkommene Beigabe.
Die heute in der kath. Pfarrkirche stehende gotische Madonna wurde verschiedentlich in Verbindung zu der Marienwallfahrt gebracht. Dies stimmt jedoch nicht. Sie kam mit einem um 1471 in Worms gekauften Altar nach Bockenheim und stand bis zur Aufhebung des Simultaneums in der alten Lambertskirche.
Langjährige Streitigkeiten um das Eigentum der Kapelle beendete am 25.01.1909 der damalige Pfarrer Braun, indem er das kompl. Kapellengrundstück für sich privat erwarb. Später ging der Besitz an die kath. Kirche über.
1966 begannen mit Hilfe des derzeitigen kath. Pfarrers H.J. Schlachter Ausgrabungsarbeiten an den Fundamenten von St. Peter. Die freigelegten Mauerwerke deuten auf einen barocken, einschiffigen Kirchenraum von etwa 35 m Länge hin. Er dürfte mit dem vor 1740 unvollendet gebliebenen Bau identisch sein. Unter diesem zeichnet sich eine kleinere Anlage ab, der vermutlich sowohl die Bruchstücke eines Fensters und einer Treppenspindel aus gotischer Zeit wie auch jenes frühromanisches Sandsteinfragment, von dem eingangs die Rede war, zuzurechnen sind. 1970 wurde mit Hilfe der Kolpingjugend den 1851 vor der Krypta vergrabenen Taufstein (16. Jahrhundert) geborgen und nach der Restaurierung in der 1936 erbauten Pfarrkirche aufgestellt.

Kuratorium Stiftung Heiligenkirche e.V.


Im Einvernehmen mit Pfarrverweser Kihm und dem Verwaltungsrat der Pfarrei Bockenheim wurde am 22.08.1981 das "Kuratorium Stiftung Heiligenkirche e.V." mit Sitz in Bockenheim gegründet. Mitglied konnte jeder werden, der Interesse an der Erhaltung der alten christlichen Kultstätte hat. Eine Mitgliedschaft ist auch Vereinen, Gemeinschaften sowie sonstigen juristischen Personen des privaten und öffentlichen Rechts möglich." Zu den evangelischen und katholischen Mitgliedern zählen sowohl die politische Gemeinde Bockenheim als auch die evangelische Kirchengemeinde Bockenheim. Nach § 2 seiner Satzung stellt sich das Kuratorium zur Aufgabe, die wechselhafte Geschichte der Heiligenkirche auf dem Bockenheimer Berg zu erforschen, die Kapellenruine zu sichern, die Gnadenquelle zu erhalten, die Tradition der Wallfahrt zu festigen und einer Zweckentfremdung oder Entweihung der Wallfahrtsstätte entgegenzutreten. Insoweit beabsichtigt der Verein, die Belange der Heiligenkirche, die im Eigentum der katholischen Kirchegemeinde St.Lambert, Bockenheim, steht, mit Rat und Tat zu unterstützen.

Mit Unterstützung der Diözese Speyer konnten in den letzten Jahrzehnten immer wieder größere Instandsetzungsarbeiten zur Erhaltung der Kapelle durchgeführt werden. Eine Totalrenovierung erfolgte in den Jahren 1984/85 unter Pfarrer Jech. Die eingestürzte Umfassungsmauer nördlich des Portals wurde wieder aufgebaut und der südliche angeglichen. Dach und Türmchen wurden neu gedeckt. Das Äußere und Innere der Unterkirche erhielten einen neuen Anstrich. Um der anhaltenden Feuchtigkeit der Innenwände Herr zu werden, wurden Dachrinne und Fallrohre erneuert und eine Dränage angeschlossen. Einschließlich der Eigenleistungen der Pfarrangehörigen beliefen sich die Gesamtkosten auf 27000.- DM.
Um die genaue Lage der Ausgrabungen westlich der Kapelle auch für später festzuhalten; wurde deren Vermessung am 02.09.1985 durch den Architekten Harnecker in Worms vorgenommen.
Mit Verfügung der Kreisverwaltung Bad Dürkheim vom 22.04.1987 wurde die Heiligenkirche als Kulturdenkmal ausgewiesen und unter Denkmalschutz gestellt.



Postkarte um 1915

Copyright © 2001 by www.bockenheim-historie.de   Copyright © 2001 by www.bockenheim-historie.de



[STARTSEITE] [WEGBESCHREIBUNG] [GÄSTEBUCH] [FAVORITEN] [KONTAKT] [INFO]