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           Klammsagen











Etwa einen Kilometer nördlich von Bockenheim, in Richtung Wachenheim durchzieht eine schmale, mit Gestrüpp zugewucherte Bodenrinne, die Gemarkung. Unter dem im Westen sich erhebenden Kahlenberg, schlängelt sich der sechs bis acht Meter tiefe, ehemalige Bachlauf, gegen Hohen-Sülzen zu. Die Senke ist aus jener Zeit, wo der Kahlenberg noch ein dickes Waldkleid trug. Im Volksmund "die Klamm" benannt, ist sie heute ein gern besuchtes Wanderziel für zahlreiche Naturfreunde geworden. In ihrem Dickicht, finden, nach meiner Einschätzung mindestens ein Dutzend Rehe, die sich aus den Wäldern im Westen hierher verirrten, sicheren Unterschlupf. Sagen ranken sich um den undurchdringlichen alten Wasserlauf. Vom "Klamm-Männchen" und dem "Ewigen Fuhrmann" hatten unsere Vorfahren einst ihren Kindern erzählt. In unserer heutigen Zeit weiß von beiden Sagen kaum einer mehr als ihre Namen.


Klamm-Männchen Hüter der Liebespaare

Jungen Liebenden begegnete der Geist der Klamm stets mit besonderer Güte. Ein junges Paar schritt an einem sonnigen Frühlingstag, durch den schattigen Grund der Klamm. Sie tränenüberströmt, er mit beruhigenden Gebärden. "Du weißt, nächste Woche soll ich mit dem Schaffnersohn des Otterberger Klostergutes vor den Altar treten. Doch eher werde ich mich vergiften, als ich die rotköpfige Filzlaus zu meinem Ehegatten nehme. Wer aber reicht uns die helfende Hand?" "Ich", sprach da eine tiefer Stimme und vor den jungen Menschen stand ein kleines Männchen mit grau-grünem Kleid, grünem Hut und einem langen weißen Bart. Ehrfürchtig starrten sie es an, aber das freundliche Lächeln des Geistes flößte ihnen Mut ein. "Seid ihr vom Himmel gesandt?" rief das verwunderte Mädchen. "Nehmt an, es sei so!" erklärte die zwergenhafte Gestalt. "Ich kenne Eure Sorgen und möchte euch helfen!" So sprach es und ist so plötzlich, wie es gekommen war, vor ihren Augen wieder verschwunden. Sich ungläubig anstarrend, machte sich das Paar auf den Weg zurück in das Dorf. Dort angekommen, trafen sie an der Klosterschaffnerei auf einen großen Menschenauflauf. Als sie sich nach der Ursache erkundigten, erfuhren sie, dass der Schaffnersohn durch den Hufschlag seines Pferdes tödlich verletzt wurde. Damit hatten seine Ansprüche auf die Hand des Mädchens, eine schnelle Erledigung gefunden

Klamm-Männchen und Geizhals

Ein Bockenheimer Bauer konnte sein Leben lang sich nicht genug an Geld und Gut ersättigen. Am frühen Morgen ging er ins Feld und erst in sternklarer Nacht trat er den Heimweg an. Ständiges Fluchen kam über seine Lippen, dass er nicht mit weniger Körner bei der Saat auskäme oder wenn er im Wingert die Trauben schnitt, dass es nicht mehr waren. Wenn Sonntags die Glocken läuteten, quälte er sein Gespann durch die Felder. An einem Sonntag in der Erntezeit, nahe der Klamm, nahm er eine Hand voll Ähren und knurrte gen Himmel. "Ist das eine armselige Frucht und dafür soll man noch danken". Aus seinen Augen schossen Blitze des Zorns.
Da rauschte es aus der Klamm wie Gewittergrollen und ein kleines bärtiges Männlein stand plötzlich vor dem erschrockenen Bauer.
"Du ewig unersättlicher Erdenwurm!" rief es mit Donnerstimme. "Was erlaubst du dir, die Gabe der Natur zu verachten. Sei verflucht und wühle ab sofort im Staub". Vor dem Zorne des Geistes, es war das "Klamm-Männchen", verstummte der Mund des Frevlers. Lautlos sank er zu Boden und sein Körper schrumpfte zu einer Wurmgestalt. Als ekelhafter Wurm wühlte er sich fortan, kümmerlich durch den Boden, der ihm einst nie genug geben konnte.


Der ewige Fuhrmann

In einem Wirtshaus in Bockenheim, kehrte häufig ein irgendwo im Westen beheimateter Fuhrmann ein. Es war ein alter Trunkenbold, der regelmäßig mit anderen Gästen Streit provozierte, der ständig zu wüsten Keilereien führte. Wirt und Gäste warfen ihn dann gemeinsam vor die Tür. Drohend und tobend griff er zur Peitsche, und jagte mit seinem Fuhrwerk die alte Römerstraße hinauf. Die armen Pferde waren zu bedauern. Unaufhörlich ließ er die Peitsche auf den Rücken knallen, bis sie plötzlich, in der Nähe der Klamm, wie von Geisterhand gebremst, stehen blieben und nicht mehr auf die Schreie und Hiebe ihres Peinigers reagierten.
Der Tierschänder drosch in seiner Wut immer unbarmherziger auf die Tiere ein, bis eines der Pferde nach hinten ausschlug und ihn mitten auf die Stirn traf. Der Fuhrmann war sofort tot.
Seither, so berichteten Reisende, hört man in stürmischen Nächten, an gleicher Stelle, gespenstisches Geschrei und Peitschenknallen.


Klamm-Männchen und Bauernweib

Am Rande der Klamm beackerte eine arme Bäuerin ein kleines Stück Land, daß ihr und ihren vier Kindern, der nach längerer Krankheit verstorbene Gatte, zusammen mit einer Menge Schulden, hinterlassen hatte.
Ein gefühlloser Gläubiger nahm ihr trotz Bitten und Flehen den letzten Heller ab.
Voller Verzweiflung die hungrigen Mäuler nicht stopfen zu können, bettelte sie bei Nachbarn und Freunden aber überall bekam sie kalte Abweisung zu spüren.
Eines Morgens als sie fleißig und unermüdlich in ihrem Wingert arbeitete, rauschte es nebenan im Dickicht und hervor trat ein zwergenhafter kleiner Mann mit graugrünem Gewand. Ein weißer Vollbart umwallte das runzelige aber freundliche Gesicht. Er deutete mit der rechten Hand auf eine Stelle neben einem Baum. "Grabt hier und eure Not hat ein Ende".
Ohne zu zögern fing die Frau an zu graben und musste entzückt feststellen, wie in geringer Tiefe ein Sack mit Goldmünzen zu Tage kam.
Ab sofort musste die Familie nie wieder hungern.
Der rüde Gläubiger bekam seine Restschuld und musste mit Entsetzen feststellen, wie nach einigen Tagen alle Goldmünzen sich zu wertlosen Kieselsteinen verwandelten.

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