HISTORIE

BÜRGER

VEREINE

MUNDART

ZEITZEUGEN

FOTOALBUM

GESCHICHTEN

STARTSEITE

FAVORITEN

Heimatsitten   Klammsagen                


Geschichten
           Heimatsitten










Der Charakter eines Landes spiegelt sich auch im Naturell seiner Bürger. Dem temperamentvollen Vorderpfälzer wird eine ausgeprägte Schlagfertigkeit und Heiterkeit nachgesagt. Auch der Wein von hier kann von starkem Einfluss sein. Schon August Becker, ein Sohn Klingenmünsters, behauptete: "Auf des Weines Rechnung kommt das hitzige, aufbrausende Blut des Weinpfälzers, dessen Stolz und Ehrgefühl sich schnell verletzt fühlt und der ebenso rasch mit der Faust dreinzuhauen geneigt ist als mit dem Mund." Das galt auch von jeher von den Bewohnern Bockenheims.
Die Großbockenheimer führten einen munteren stoßlustigen Bock in ihrem Wappen und waren in der Tat, Schlägen und Stößen gegenüber nie abgeneigt. Es fließt etwas von dem hitzigen Blute ihrer früheren Gebieter, der Grafen von Leiningen, in ihren Adern. Freilich kommt es heute seltener zum Ausdruck aber früher, die Geschichte Bockenheims weiß ja genug davon zu erzählen, war es an der Tagesordnung.
Die Kirchweihen hier und in den Nachbargemeinden gaben reichlich Gelegenheit, sich auszutoben. Die Asselheimer und Hohensülzer konnten ein Lied davon singen.
Viel wusste man früher vom Bockenheimer Durst zu erzählen. Die "Kellervisiten", die sich einzelne Freundeskreise gegenseitig abstatteten, gaben dem Volkswitz Anlass, diesen nie versiegenden Durst als "Bokremer Kranket" (Bockenheimer Krankheit) zu verewigen. Die gut eingerichteten Kellereien Kleinbockenheims eigneten sich dafür vorzüglich.
Mag doch manches von alten Sitten und Bräuchen entschwunden sein, so blieben doch spärliche Reste bis in die jüngste Zeit erhalten. Dem heiteren, zu Scherz und Ausgelassenheit neigenden Temperament der Bockenheimer kommt so ein Tag wie der erste Mai natürlich nie ungelegen. An solchen Tagen hatte die Polizei alle Hände voll zu tun. Am 1. Maimorgen findet dann ein Bauer seinen am Vorabend mit Mist beladenen Wagen samt Ladung, hoch oben auf dem First des Scheunendaches. Dem anderen wurde das Puhlfass mit kleinen Steinchen bis oben hin gefüllt, einem dritten ist die Haustür mit Ackergeräten verbaut worden und dergleichen mehr.
Zur Kirchweih wurde früher die größte Sau geschlachtet, eine halbe Woche wurde benötigt um sämtliche Hausräume einer Reinigung zu unterziehen, wie kaum zu einer anderen Festzeit. Auch die Fülle kulinarischer Genüsse werden zu keiner Gelegenheit geboten wie zur Kirchweih (Kerwe).
Vor dem Tanzabend holten die Burschen des Dorfes, unter den Klängen eines lustigen Marsches, die an irgendeiner Stelle im Ort symbolisch vergrabene "Kerwe", eine Flasche Wein ab, die mit einem Kranz umgeben, in den Tanzsaal gebracht wurde. Im ersten Weltkrieg ist man von diesem Brauche abgekommen, bis dann in jüngster Zeit die Sitte wieder ins Leben gerufen wurde.
Die Kinder erfreuten sich damals wie auch heute noch, an einem mehr oder minder beträchtlichen "Kerwestück" (Kerwegeld). Dem Liebhaber wurde es als Vernachlässigung gedeutet, wenn er seiner Liebsten nicht eine Überraschung (Kerwestück) bereitete.
Verschwunden sind die alten prunkvollen "Bauernhochzeiten". Vielfach ist die Unsitte eingerissen, den heimischen Traualter zu meiden, um in irgendeiner Nachbarstadt den Bund fürs Leben zu schließen. Wer aber in Klein- oder Großbockenheim vor den Traualter schritt, den begleiteten die krachenden Ehrensalven der Altersgenossen. In Kleinbockenheim hat sich der Brauch besser erhalten, weil die dort im Jahre 1813 gegründete "Jungburschenschaft" sich bis heute hielt und die alten Gepflogenheiten bis heute wahrt.

Copyright © 2001 by www.bockenheim-historie.de   Copyright © 2001 by www.bockenheim-historie.de



[STARTSEITE] [WEGBESCHREIBUNG] [GÄSTEBUCH] [FAVORITEN] [KONTAKT] [INFO]