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           Wichtige Aspekte der Vereinsgeschichte










Die eigentliche Chronik des Vereins IST, wie erwähnt, aufgrund der historischen Lücken sehr unvollständig.
In dem ältesten Dokument, einem Protokollbuch aus dem Jahr 1884, ist der Stempelabdruck "Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813" zu finden (von diesem Stempel gibt es heute nur noch eine Nachbildung). Die Burschenschaft wurde demnach 1813 gegründet oder erstmals schriftlich erwähnt und bestand möglicherweise schon länger.
In diesem Buch finden sich auch die 1885 erneuerten Statuten und eine Aufbesserung des Schwures von 1825. Ob diese 1825 erstmals niedergeschrieben wurden, geht aus dem Protokollbuch von 1884 nicht hervor, ebensowenig die alten Fassungen. Diese sind möglicherweise viel länger gewesen, da die neuen Statuten (1885) nur sieben Artikel enthalten, die Statuten der "Zunft junger Burschen zu Kriegsfeld" vom 20. Mai 1787 dagegen 25 Artikel. Unter diesen 25 Artikeln, die sehr viel gemeinsam haben mit den Bockenheimer Statuten, sind einige, die zwar in Bockenheim nicht schriftlich festgehalten bzw. 1885 gekürzt wurden, aber bis heute noch Tradition haben. So z. B. Artikel 5 der Kriegsfelder Burschen, der in Bockenheim nicht genannt wird: "Wan er dan angenommen wird (....) und Keiner Lachen Bey straf einer Halb Maß Wein". Wenn aber in Bockenheim ein Junge geburscht wird, warnt der Zunftmeister alle Mitglieder: "Wer lacht, muss ebenfalls einen Schoppen Wein auf ex trinken".
Bis 1884 liegt dann kein weiteres Schriftstück vor. Am 2. Dezember 1900 wurde der Hänselspruch, der jedem Brautpaar an der Hochzeit vorgetragen wird, vom damaligen Zunftmeister Michael "Michel" Böll niedergeschrieben. Wie lange er schon bestand oder wer der Autor ist, geht daraus nicht hervor. Beim Hänseln wurden zu dieser Zeit beachtliche Beträge eingenommen. So betrugen sogenannte "Liebesgaben" für Bockenheimer Bräute und Spenden ehemaliger Burschen, zwischen zehn und sechzig Mark, sowie 40 - 60 l Bier. Selbst in Kriegsjahren (1914 - 1918) wurden noch solche Spenden entrichtet, die für die damalige Zeit sehr viel Geld waren.
Am 28. Juli 1913 fand die 100-Jahr-Feier der Zunft im "Neuhäusel" statt. Von dieser großen Feier ist noch ein gedrucktes Programm vorhanden, das den Ablauf des Festes beschreibt. Die Zunft wurde in diesen Jahren (1884 - 1915) von Jakob Schütthelm, Adam Böll, Peter Eberle, Michael Böll, Jean Born, Jakob Klein, Wilhelm Schumacher, Jean Heiser und Emil Bauer geführt.
Während des 1. Weltkrieges war die Burschenschaft womöglich nicht mehr aktiv, da das Protokollbuch von 1884 nur bis zum 26. Dezember 1915 geführt wurde, obwohl das Buch noch nicht beendet war. Zwei weitere Tatsachen lassen ebenfalls auf diese Annahme schließen.
Zum einen wurde das Buch am Ende des 1. Weltkrieges vermisst, zum anderen gab es am 1. und 2. Januar 1919 Sitzungen des Komitees, in denen ein neues Buch begonnen u. folgendes beschlossen wurde:

I. Dass mit aller Energie die Burschenschaft aufrecht gehalten werden muss, um so den schönen   alten Brauch weiterzuführen bis in die jüngsten Zeiten.

II. Wegen der so regen Nachfrage unserer jungen Bräute nach dem alten Hänsel - Brauche, dass  ab 2. Januar alle Bräute nebst ihren lieben Bräutigams gehänselt werden.

III. Die Aufnahme der gereiften Jugend in die Burschenschaft.

Ein weiterer Fakt, der auf einen Neubeginn schließen lässt, ist die Tatsache, dass in der Zeit vom 3. 1. bis 18. 1. 1919, 17 Jungen geburscht wurden. Wahrscheinlich waren dies so viele, weil es in den letzten Kriegsjahren keine Neuburschungen mehr gab. Am 4. März 1919 hielt die Burschenschaft eine von der französischen Besatzungsmacht in Großbockenheim genehmigte Tanzunterhaltung ab (einen möglichen Vorgänger des heutigen Lumpenballs). Man feierte wieder.
Am 1. September 1919 feierte man den zweiten Kerwetag, jedoch ohne Kerwetanz, worauf die Burschenschaft einen Tanzausflug mit Damen des Ortes nach Hohensülzen unternahm und dafür 56,30 M. Tanzgeld erhielt.
Im April 1920 wurde das verschwundene Protokollbuch von 1884 zum ersten Male wiedergefunden. Noch im selben Jahr hatte die Burschenschaft wesentlichen Anteil an der Glockeneinweihung. Auch 1921 stellte sie ihre Dienste wieder für das Allgemeinwohl zur Verfügung, man stiftete 500 Mark in den Turnhallenfonds des Turn- und Sportvereins Bockenheim. Eine Quittung des damaligen Vorstandes Jakob Bogen befindet sich heute noch im Besitz der Burschenschaft. Ein eigener Vereinsball wurde am 1. Januar des selben Jahres abgehalten, es wurde fröhlich getanzt, bis um Mitternacht die bezirksamtliche Genehmigung abgelaufen war. Auf allgemeinen Wunsch hin wurde aber bis 5 Uhr früh weitergespielt. Der daraufhin folgende Strafbefehl betrug 15 Mark oder drei Tage Haft für den Zunftmeister. Am 1. März wurde das Geld überwiesen. Von 1919 bis 1928 wurde der Verein von Jean Heiser, Karl Hoffmann, Heinrich Schütthelm und Georg Eberle geführt.
Die Bücher nach 1928 sind leider verschwunden, die Burschenschaft existierte aber auch im 3. Reich normal weiter, da sie damals wie heute kein eingetragener Verein war und das Bild des NS-Regimes wahrscheinlich nicht sonderlich gestört hat. 1938 erwarb der Verein unter dem Zunftmeister Wilhelm Blasius ein geschnitztes Tablett anlässlich des 125- jährigen Bestehens, welches noch heute zum Hänseln an den Vermählungen mitgeführt wird.
Als Wilhelm Blasius im Sommer 1939 einrücken musste, übernahm sein zukünftiger Schwager Arthur Hennrich das ehrenvolle Amt des Zunftmeisters für die Kerwe am letzten Augustwochenende 1939. Dies war die traurigste Kerwe in der Geschichte des Vereins und von Bockenheim, da genau zu diesem Zeitpunkt der 2. Weltkrieg ausbrach und somit die Kerwe, mitsamt der Burschenschaft, bis 1946 ruhte.
Nach dem zweiten Weltkrieg durfte die Burschenschaft, während der französischen Besatzungszeit, nicht öffentlich auftreten, so dass es damals nur heimliche Treffen gab. Bei der Hochzeit des ehemaligen Ortsbürgermeister Erich Mattern wurden an der Kirche erstmals wieder die traditionellen Böllerschüsse losgelassen. Das Schießkommando versteckte sich aber sofort, da damals jeglicher Besitz von Schwarzpulver verboten war. Aber man musste noch mehr unter den Besatzungsmächten leiden, man bekam 1946 keine Genehmigung für den Kerwetanz am Montag. Die Veranstaltung wurde dennoch durchgezogen, und jeder musste von zu Hause Tisch, Stühle und auch die Getränke mitbringen. Am Montagabend war die Festhalle plötzlich von Franzosen umstellt, welche die Feier abbrachen und das gesamte Inventar an Möbel kurz und klein schlugen. Ein Teil der anwesenden Gäste wurden festgenommen.
Die Nachkriegszeiten besserten sich und es wurde wieder offiziell Kerwe gefeiert, bis 1950, als die Veranstaltung wegen der in Bockenheim ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche nicht stattfinden konnte.
Unter Ludwig Zindel wurde 1952 das älteste Protokollbuch zum zweiten Mal nach 1920 wiedergefunden. Leider sind aber die Protokollbücher dieser Zeit (1945 - 1960) verschwunden, so dass bis auf Ludwig Zindel und Karl Klein keine Zunftmeister bekannt sind.
Die Burschenväter wechselten in den kommenden Jahren ständig von Helmut Spieß, Dieter Berg, Klaus Wischang bis hin zu Gunter Fries, der 1963 das 150-jährige Jubiläum des Vereins beging. Man unternahm am Kerwefreitag vom Gasthaus "Neuhäusel" aus einen feierlichen Fackelzug unter Mitwirkung der Kapelle der Zuckerfabrik Neuoffstein. Der Zug marschierte durch die Straßen Bockenheims den Weinberg hinauf zur "Heiligenkirche", wo ein großer Strohhaufen entzündet wurde.
In den kommenden Jahren übernahmen Dieter Berg, Wilhelm Bayer, H. Spieß, Horst Kern und Otto Baumer das Amt des 1. Vorstandes. Dieses hatten dann erneut Wilhelm Bayer, dann Peter Fischer, Dietmar Mattern und schließlich Ernst Mohr inne. Dieser ließ dann 1976 einen neuen Stempel, anhand des alten Abdruckes herstellen.
1979 wurde Jürgen Schmidt genannt "Paulo" zum neuen Zunftmeister, der dieses Amt dann an Volker Raumland weitergab, welcher 1981 nach langer Pause wieder einen Lumpenball zu Fasching organisierte. Es war damals ein solch großer Erfolg zu verzeichnen, dass dieser Traditionsball bis heute wieder alljährlich stattfindet.
1982 wurde Volker Spieß zum Burschenvater gewählt und leitete das Komitee neun Jahre lang, so lange wie noch keiner vor ihm. Unter ihm feierte man 1983 das 170 - jährige Bestehen, in ähnlicher Weise wie 1963.
Die Missverständnisse und Unwissenheit über Ziele und Gründungsgrund der Burschenschaft 1813 Bockenheim führten dazu, dass man im selben Jahr fälschlicherweise am 150-jährigen Jubiläum des Hambacher Festes teilnehmen durfte, als einzige nichtstudentische Burschenschaft. Auch hier sprachen sich viele studentische Burschenschaften missmutig über das Bockenheimer Gründungsjahr 1813 aus, was sie für unmöglich hielten. Außerdem waren unter seiner Führung vier Kerweplätze zu verzeichnen; Traditionell an der Turnhalle des TUS Bockenheim, dann 1986 an der Schlosstreppe (nahe dem Schlossgut Janson), 1987 auf dem Winzerfestplatz, was zu einem riesigen Misserfolg wurde, und dann 1988 auf dem Platz der Partnerschaft in der Ortsmitte. Hier wurde auch das zweite noch größere Jubiläum unter Volker Spieß gefeiert. Er und sein Schriftführer, Stefan Böshenz, ließen zum Anlass des 175-jährigen Jubiläums des Vereins ein zweites handgeschnitztes hölzernes Tablett anfertigen, wie Wilhelm Blasius dies zum 125-jährigen Bestehen tat.
1989 hatte die "Burschenschaft 1813 Bockenheim" ihren "großen" Auftritt im Fernsehen. Am Mittwoch, dem 8. November 1989, um 19.30 Uhr sendete das ZDF in seinem (Jugend-) Magazin "Doppelpunkt" einen Bericht über die Burschenschaft, allerdings unter dem Thema Alkoholmissbrauch, "Erst Prost und dann Probleme". Dies stellte nicht nur die Burschenschaft in ein schlechtes Licht, sondern auch einige Mitglieder bei ihren Arbeitgebern.
1992 endete die Ära Spieß, denn Mario Lechner übernahm für ein Jahr die Führung, bis Oliver Trundt zum Zunftmeister gewählt wurde. Dieser stand am 30.6.1992 vor dem Landgericht Frankenthal, begleitet von allen Komiteemitgliedern und Freunden des Vereins. Er war der Redner der Kerweredd 1991 gewesen und trug einen Artikel über die Familie Janson vor, die im Baustreit mit Nachbarn lag. Sie fühlte sich von dem lustigen Vortrag verleumdet und hielt sich auch nicht an die guten Ratschläge der Burschenschaft in ihrer Rede: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht" und wem die Scherze nicht passten, der solle sich beim Bundeskanzler oder im "Geduldsamt in Querem" (Nachbarort Quirnheim) beschweren. Ganz im Gegenteil, die Burschenschaft bzw. Oliver Trundt wurden von einem Rechtsanwalt dieser Familie zum öffentlichen Widerruf aufgefordert, was der Verein natürlich nicht tat, so dass es zu dieser Verhandlung kam, in der das Ehepaar seine Klage auf Rat des Richters Dr. Müller zurücknahm und die Burschenschaft mit ihrer Tradition als "Sieger" hervorging. Es folgten Berichte in der Presse die man als positive Promotion für die Kerwe 1992 werten konnte.

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