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           Das "Hänseln"










Dieser Begriff bezeichnet das Ende der Mitgliedschaft eines Burschen. Das Hänseln ist die zeremonielle Verabschiedung bei der Hochzeit des ehemaligen Burschen, der automatisch mit der Verlobung ausgeschieden war. Die Verabschiedung erfolgt durch einen Hänselrat, der im Laufe der Feier erscheint. Dieser besteht aus drei Komiteemitgliedern, die zu diesem feierlichen Anlass eine ganz bestimmte Kleiderordnung erfüllen müssen. Diese offizielle Festkleidung des Vorstandes besteht aus einem schwarzen Frack und Zylinder, sowie einer weißen Fliege und Handschuhen.
Ein Bursche des Hänselrates trägt dem Brautpaar und den versammelten Gästen den Hänselspruch vor und überreicht ihnen ein kleines Geschenk im Namen der Burschenschaft. Der zweite Bursche hält das vereinseigene geschnitzte Tablett, das 1938 zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins hergestellt wurde, mit den Gläsern in den Händen, der dritte eine Flasche Wein, so dass nach dem Vortrag auf das junge Glück getrunken werden kann. Danach wird der Hänselrat eingeladen und feiert den Hochzeitsabend mit. Normalerweise übergibt der Bräutigam der Burschenschaft eine Geldspende, deren Höhe in seinem eigenen Ermessen liegt, als Ausstand.
Das Hänseln hat neben dem Abschied des Bräutigams von seinem Verein noch eine zweite Bedeutung. Auch Auswärtige, die ein Bockenheimer Mädchen zur Braut haben, müssen sich gefallen lassen, dass der Hänselrat auf der Hochzeitsfeier erscheint und auch hier den Hänselspruch vorträgt, damit aber primär ein ganz anderes Ziel verfolgt. Der fremde Bräutigam muss in diesem Falle eine Art Lösegeld bezahlen und das Bockenheimer Mädchen freikaufen, damit sich die Burschenschaft, mit allen ihren Junggesellen über den Verlust eines alleinstehenden Mädchens hinwegtrösten kann.
Natürlich ist die Heirat nicht die einzige Möglichkeit aus dem Verein auszutreten. Jeder Bursche, der die Lust an der aktiven Teilnahme verloren oder sonst irgendwelche Gründe hat, kann die Burschenschaft 1813 Bockenheim verlassen. Es gibt aber auch weniger schöne Fälle, in denen Burschen aufgrund ihres schlechten Verhaltens von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, was aber erfreulicherweise sehr selten der Fall ist.
Guten Tag - hochgeehrte Gesellschaft!
"Glück herein, Unglück hinaus! damit kommen wir Burschen ins Hochzeitshaus. Hier wollen wir fragen, was wir wollen und was wir sollen, das wissen wir und was wir wissen, wollen wir euch sagen, damit andere Leute können auch etwas davon sagen. Wir kommen hierher geschritten, hätten wir Pferde gehabt, so wären wir geritten, so wir aber keine haben, so kommen wir geschritten auf Schusters Rappen. Aber wenn wir unsere Sache nicht recht sollten machen, so dürft ihr nicht darüber lachen. Gestern Abend, da ich hab wollen studieren, da tat mich eine schöne Jungfer fixieren, da ließ ich mein Studieren sein und ging mit ihr ins Kämmerlein. Da bin ich so lange bei ihr gesessen und hab mein Studieren ganz gar vergessen. Kamerad - schenk mir eins ein, das soll dem Herrn Hochzeiter und der Jungfer Hochzeiterin ihre Gesundheit sein.


Hänselspruch

So könnt euch mit vollen Händen an Eurem schönen Trauungstag, die Freude Eures Lebens spenden, die euch mein Herz nur wünschen mag und weil ich solches nun nicht habe, womit ich euch erfreuen kann, so nehmet diese kleine Gabe, nehmt sie mit diesen Wünschen an:

Viel Glück, viel Glück Herr Bräutigam
viel Glück geliebtes Bräutchen
viel Glück und Heil zum neuen Stand
ihr jungen Eheleutchen.

Das ist ein wunderschöner Stand
in den Ihr Euch begebet.
Ihr werdet es wie süß er sei
in kurzem erst erleben.

Da schlendert nun so allgemach
so friedsam wie die Täubchen
durch dieses Trauertal hindurch
mit seinem vertrauten Weibchen.

Des Lebens Lust und Mühe fällt
nur halb so schwer zu tragen
und Grillen, o` die weiß im Nu
das Weibchen zu verjagen.

Und beide gehen mit frohem Mute
an des Berufs Geschäfte
des einen Kuss und Lächeln gibt
dem anderen neue Kräfte.

Ist nun ein Jahr bald durchgeküsst
dann klagt und grammelt`s Liebchen
und eh man sich versieht erscheint
ein schönes munteres Bübchen.

Dann geht erst recht die Freude an
dann tritt mit frohem Mute
der Herr Gemahl ans Ehebett
und denkt im Recht zu Gute.

An seine Tat die er getan
und denkt bei sich ich meine
das sei doch Fleisch von meinem Fleisch
und Bein von meinem Beine.

Er nimmt und küsst den kleinen Knecht
und blickt schon in die Zeiten
wo ihn "Papa" das Knäblein ruft
und fühlt schon Vaterfreuden.

Ihr jungen Leute sind es nicht
gar allerliebste Sachen
sie werden Euren Ehestand
zum Paradiese machen.

Zwar freilich alle Tage hängt
der Himmel nicht voll Geigen
es pflegt sich wohl mit anders
auch etwas bewölkt zu zeigen.

Jedoch wenn Eheleute nur
sich immer hübsch vertragen
so können sie viel Wolken selbst
vom Ehehimmel jagen.

Und spricht die Frau der Hecht ist blau
und wär er nur kaum bläulich
so sei der Herr Gemahl diskret
und sage flugs - ja freilich.

Das Widersprechen tut es nicht
der Mann muss sich bequemen
denn Recht behalten - ei das lässt
kein Weibchen sich gern nehmen.

So haben Evas Töchterchen
wohl ihre eigenen Nuppen
sie haften ihnen fester an
als einem Fisch die Schuppen.

Doch alles mit Respekt gesagt
gibt´s Fische ohne Schuppen
so gibt es auch noch hie und da
manch Weibchen ohne Nuppen.

Dass so eines ihnen Herr Bräutigam
der Himmel zugeführt
verdient dass man ihm als Ehemann
hiermit herzlich gratuliert.

So stoßet nun die Gläser an
aufs Wohl der jungen Leutchen
es lebe hoch der Bräutigam
es lebe hoch das Bräutchen.

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