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           Chronik der Burschenschaft










Die Chronik der Burschenschaft 1813 Bockenheim ist leider sehr unvollständig und lückenhaft, da das älteste Schriftstück ein Protokollbuch aus dem Jahre 1884 ist, das aber den Stempelabdruck "Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813" enthält und somit den einzigen Hinweis über die Vereinsgründung darstellt. Die Zeit von 1813 bis 1884 ist demnach undokumentiert, so dass es zur Gründung 1813 und den daran beteiligten Personen nur mündlich überlieferte Spekulationen gibt, die leider sehr unkritisch und ohne Beweise in Festschriften der Gemeinde und des Vereins übernommen wurden. So begannen die Vereinschroniken, die immer sehr kurz und ohne historische Belege abgefasst wurden, stets mit dem Satz: "Die Burschenschaft 1813 Bockenheim wurde, wie ein alter Stempel nachweist, im Jahre 1813 gegründet. Maßgeblich an der Gründung beteiligt war der damalige Graf unseres Schlosses Emichsburg, der eine verlässliche Ordnungsmannschaft schaffen wollte,...." Dieser Anfang versucht weder das Gründungsjahr geschichtlich zu stützen, noch geht er darauf ein, dass es sich um eine Theorie handelt, wenn man sagt, die Burschenschaft sei als Ordnungsmannschaft ins Leben gerufen worden. Die Aussage aber, an der Gründung sei der damalige Bockenheimer Graf der Emichsburg beteiligt gewesen, ist absolut falsch.
1795 wurde die Emichsburg in Bockenheim von den Franzosen in Brand gesetzt. Die Ortsbevölkerung musste der französischen Regierung den Treueid leisten. Von 1793 bis 1814 wurden die Akten der Bürgermeistereien in französischer Sprache geschrieben.
Die Pfalz war ein erobertes Land geworden.
1806 hatte der reformierte Pfarrer Weiß die Emichsburg erworben und baute sie zu einem landwirtschaftlichen Betrieb um.
Hiermit ist also die Behauptung, die Bockenheimer Burschenschaft sei 1813 von einem Grafen ins Leben gerufen worden, eindeutig widerlegt, da zu dieser Zeit keine Adligen in Bockenheim, bzw. der Pfalz regierten.
Das Gründungsjahr 1813 wurde und wird sehr häufig angezweifelt, oft mit der Begründung, Burschenschaften gäbe es erst seit der Gründung der Deutschen Burschenschaft 1815 in Jena, einer überregionalen Studentenverbindung mit liberaler Zielsetzung. Kritiker, die dieses Argument anbringen, machen jedoch einen großen Fehler. Der Vereinsnamen "Burschenschaft" und die Gründungsjahres 1813 und 1815 stützen diese These noch keineswegs. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Zufall, da die "Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813" einen völlig anderen Ursprung hat, als die Jenas.
Bei der Bockenheimer Burschenschaft handelt es sich um eine Junggesellenvereinigung, wie sie damals für die Pfalz und ihre Kultur und Tradition typisch war, heute aber in den meisten Ortschaften in Vergessenheit geraten ist. Pfälzer Heimatliteratur bezeichnet diese Organisationen als Jugendverbände, die nicht nur Rechte verliehen, sondern fast noch mehr Pflichten forderten. Diese straff gebundenen Vereinigungen der männlichen, unverheirateten Jugend nannte man Jugendgenossenschaft, Junggesellenverein, Bubenbruderschaft, Zunft der Burschen oder auch wie z.B. in (Klein-) Bockenheim, "Burschenschaft".
Die Frage der Erziehung des jungen Mannes (landschaftlich auch Bursche genannt), vom Verlassen der Volksschule bis zum Eintritt ins militärpflichtige Alter, musste gelöst werden. In der damaligen Gesellschaft (monarchischer Obrigkeitsstaat) war dies von großer Bedeutung, da Tugenden wie Disziplin und Ordnung gefordert wurden. Oftmals hatte die heranwachsende männliche Jugend sich in fest geschlossenen Verbänden selbst zu Zucht und Sittlichkeit erzogen.
Eine wichtige Aufgabe dieser Gemeinschaft, neben Festorganisationen wie z.B. die Kirchweihe, war es, den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht zu erleichtern. Große gesellschaftliche und moralische Hindernisse mussten zur damaligen Zeit überwunden werden, bis es zu einer möglichen Hochzeit kam. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, gab es feste Regeln und Zeremonielle, die zum einen von der Schwesternschaft, dem Verein der ledigen jungen Mädchen (den es ebenfalls in vielen Orten gab), zum anderen von der Burschenschaft "gelehrt" wurde, was die Statuten (Burschenschaft 1813 Bockenheim) und "Hänselsprüche" belegen.
Diese uralte gesellschaftliche Einrichtung bestand schon im 18. Jahrhundert oder sogar noch früher, was aus den Statuten der "Zunft junger Burschen zu Kriegsfeld" vom 20.Mai 1787 hervorgeht, als dieser Verein neubegründet wurde. Da zu diesem Zeitpunkt das Lesen und Schreiben im einfachen Volk noch keinen Zugang gefunden hatte, ist es nicht verwunderlich, dass die ersten schriftlichen Dokumente dieser Vereinigungen erst gegen Ende des 18.Jahrhunderts zu finden sind. Kriegsfeld und Bockenheim sind, neben einigen wenigen Junggesellenvereinen, leider die einzigen in der Pfalz, die das Wissen über die damals üblichen Bräuche niederschrieben. (Die erwähnte "Zunft der jungen Burschen zu Kriegsfeld" gibt es in der ursprünglichen Form nicht mehr, da sie heute sowohl Mädchen als auch Jungen zugänglich ist, die sich lediglich als "Kerweborsch" bezeichnen.)
Da durch die Begriffsdefinition des Wortes Burschenschaft die Unabhängigkeit zur Gründung 1815 in Jena erbracht ist, steht die Richtigkeit des Gründungsjahres, bzw. der ersten schriftlichen Erwähnung 1813 eigentlich außer Frage. Man kann nur versuchen, den Anlass dieser "Gründung" historisch zu belegen. Ein Beweis kann hier natürlich nicht erfolgen, dazu sind die Quellen und Dokumente zu lückenhaft, aber mit Hilfe von geschichtlichen Fakten können Thesen aufgestellt werden, die das Jahr 1813 als tatsächlichen "Anfang" der Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813 stützen.
In Ortschroniken und Festschriften heißt es, die Burschenschaft sei als Ordnungsmannschaft ins Leben gerufen worden, um die Gemeinde vor umherziehenden fremden Soldaten zu schützen. Wie erwähnt, gibt es hierfür keinen einzigen Beweis, aber das Geschehen, das sich 1813 in Bockenheim abspielte, stützt diese Theorie. Mit den fremden Soldaten sind mit großer Wahrscheinlichkeit Reste verschiedener Truppenverbände gemeint, die bei der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.Oktober 1813) gekämpft hatten. Im Winter 1813/14 lagen längere Zeit auch russische Truppen in unserer Gegend, auch in Bockenheim, in Quartier. An der Straße Monsheim-Bockenheim liegt gleich hinter dem Ortsausgang ein Acker, der heute noch "Kosakenacker" heißt. Dort hatten Russen ihre Zelte aufgeschlagen und drangsalierten von hieraus die Bauern mit Requisitionen und Abgaben. Auch Bayern und Österreicher kamen im Mai und Juni fast täglich auf dem Durchmarsch durch Bockenheim. Die neu gegründete Bürgerwehr, die Burschenschaft 1813 Bockenheim, hatte wahrscheinlich nicht nur die Aufgabe, das Dorf vor großen Lasten durch überhöhte Abgaben zu schützen, sondern auch den Kontakt der Bewohner mit den Soldaten zu unterbinden, denn die flüchtenden Truppen Napoleons hatten den Städten und Dörfern dieser Region die Kriegspest und den Fleckentyphus gebracht. In der Stadt Mainz allein starben in der Zeit vom 1. November 1813 bis Mai 1814, 2400 Menschen.
Der ursprüngliche Name "Burschenschaft Kleinbockenheim gegründet 1813" und die Entwicklung zum heutigen Vereinsnamen "Burschenschaft 1813 Bockenheim" dürfte somit geklärt sein.

Kritische Anmerkung

Die These, die Burschenschaft 1813 Bockenheim sei als Ordnungsmannschaft ins Leben gerufen worden, findet natürlich auch Kritiker, so z.B. den bekannten Heimatforscher und Schriftsteller Helmut Seebach aus Mainz. Er bezweifelt, dass Jugendliche, zur Verteidigung eines Ortes, an die Waffen mussten, da hierfür überregionale Truppen zuständig waren.
Wie auch immer, weder Befürworter, noch Gegner haben Beweise, um ihre Theorie eindeutig zu belegen oder das Gegenteil zu beweisen.

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