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Jakob Böshenz
           Jakob Böshenz (1871-1957)










Ahnten die Bockenheimer im Jahre 1907, welchen guten Mann sie in ihren Mauern aufgenommen hatten, als ein neuer Lehrer sein Amt antrat? Es ahnte wohl niemand!
Über die technischen Schwierigkeiten des Lesens hinweg, verschlang der am 27.02.1871 in Rüssingen geborene Jakob Böshenz alles, was seine Schullesebücher an geschichtlichem Wissen hergaben. IM Alter von zehn Jahren hatte er die Bände der Dorfbibliothek ganz, viele sagen sogar wiederholt gelesen. Was er bevorzugte, waren immer wieder die Erzählungen aus der vaterländlichen Geschichte sowie die einheimischen und deutschen Sagen.
Vielleicht lässt das sich damit erklären, dass er in einer Landschaft aufwuchs, die von geschichtlichen und sagenumwogenen Erinnerungen nur so strotzte.
War es das heimatkundliche Wissen seines Lehrers, der ihn zum Schreiben seiner späteren Werke motivierte?
Die Vorliebe für Heimat und Vaterland begleiteten ihn durch die Studienzeit (Präparandenschule in Kirchheimbolanden und Lehrerseminar in Kaiserslautern) und in seinen nachfolgenden, beruflichen (Lehrer in Luthersbrunn, Leistadt, Ernstweiler, Oberarnbach, Biedesheim, ab 01.04.1907 in Bockenheim) und nebenberuflichen und vor allem literarischen Tätigkeiten. Auch die Neigung dramatisch zu sehen und zu gestalten, war eine seiner großen Fähigkeiten.
Die Ahnen väterlicherseits (zurückverfolgt bis 1659) waren Schmiede im Leiningerland, die nebenbei auch die tierärztliche Kunst ausübten, einer davon sogar am Hofe des Leininger Grafen.
Die Ahnen mütterlicherseits, waren seit ewiger Zeit Bauern gewesen. Den Vater verlor er schon im fünften Lebensjahr. Mutter und Großmutter zogen ihn auf und erfüllten sein Leben mit viel Liebe. "Fehlende Willensäußerung, wenig Kämpfernatur", so Jakob Böshenz über sich selbst urteilend, glich er mit seiner poetischen Begabung wieder aus. Schon als Schuljunge in Rüssingen dichtete er Verse. 1891 war ihm mit dem Lied "Es liegt ein Land am grünen Rhein" ein großer Wurf gelungen. Durch die Melodie, die sein Freund Scheller den Versen gab, ist es heute noch allen Sängern in der Pfalz bekannt. Eine besondere Bedeutung hatte das Lied "So nimmt dich Gott in seine Hut, du deutsches Land am deutschen Rhein", als es den Pfälzern schlecht erging und man um die Heimat bangen musste. Dem Werk folgten in den kommenden Jahren unzählige (über 200) Gedichte, Abhandlungen, Aufsätze, Erzählungen, Balladen und Bühnenwerke. Bekannter weil im Druck erschienene sind: "Hans Linden", "In Sturz und Sieg", "Der Schulmeister von Burgdorf", "Das Weihnachtswunder von Bethlehem", "Die beiden Bockenheim".
Er stand ein halbes Jahrhundert hindurch, fast ausschließlich im Dienst der Allgemeinheit. Ihm oblag die Führung mehrklassiger Schulen, dazu das Sekretariat der Gemeindeverwaltung sowie die Leitung mehrerer Gesangsvereine (auch im Nachbarort Kindenheim). Ein fleißiger Mann! Und er war noch mehr! Sonntags dirigierte er, auf der Orgelbank sitzend, den Kirchenchor. Die Kirchenkasse hatte in ihm einen treuen Verwalter und die Gräber sind nicht zu zählen, an denen er mit seinen Schulkindern den Grabgesang darbot.
Während des 1.Weltkrieges hielt ihn der Dienst in der Heimat fest. Zwei Schulen und zwei Gemeindeverwaltungen hatte er zu betreuen. Erst mit Beginn des Jahres 1920 erhielt er Entlastung. Nur noch eine Schule musste er leiten und hatte endlich Zeit sich seiner Muse zu widmen.
Schon in der ersten Festschrift, zum 1933 gegründeten Bockenheimer Winzerfest, legte Oberlehrer Jakob Böshenz den kulturellen Grundstein. Alljährlich lieferte er die geschichtlichen Beiträge. Man darf ihn wohl als Mitbegründer des Bockenheimer Winzerfestes bezeichnen. Im Jahre 1952 integrierte man den "Bockenheimer Mundartdichterwettstreit" in das Festprogramm des Festes, dessen Verantwortlichen, er ein stiller Freund und Helfer war. Sein Dasein gab der Veranstaltung vor der Gemeinde selber und ihren Bürgern und Bürgerinnen, die zum großen Teil in der Schulbank vor ihm gesessen hatten, Ansehen und Hochachtung. Für das Gesamtwerk eines Mundartdichters wird heute noch der "Jakob Böshenz Preis" der Gemeinde Bockenheim verliehen.
Zu seinem achtzigsten Geburtstag, am 27. Februar 1951, verlegten die Gemeinden Groß- und Kleinbockenheim das Buch ihres treuen Lehrers "Stimme der Heimat" und ernannten ihn, seiner großen Verdienste wegen, zum Ehrenbürger. An der Schule, die er 1934 zusammenführte, und die heute noch seinen Namen trägt, zeigte er seinen Mitbürgern die segensreichen Auswirkungen eines gemeinsamen Schaffens. Sein hohes Ziel, sein Ideal, für das er sich stets und überall einsetzte, war das gemeinsame Schulhaus in einem politisch vereinten Bockenheim. Nach der Zusammenlegung der beiden Gemeinden 1956, musste an erster Stelle dieses verdienstvollen Mannes gedacht werden, der die Vorraussetzungen zu diesem Werke schuf.
Mit diesen Zeilen kann das Bild von Jakob Böshenz, nicht vollständig gezeichnet werden. Hohe Anerkennung und Verehrung ist ihm allezeit, besonders aber in seinen letzten Lebensjahren entgegengebracht worden.


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